Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung
 
Presse
10.10.14 20:30 Alter: 2 yrs

Offner Brief des Aktionsbündnisses an den Ministerpräsident Albig

Kategorie: Presse

Von: h. kerlen

Die feste Fehmarnbeltquerung ein "tolles" Projekt

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

Während der Fehmarnbelt Days in Kopenhagen bezeichneten Sie die Feste Fehmarnbeltquerung als ein tolles (sprich großartiges) Projekt. Eine solche Einschätzung verdient nur die bautechnische Herausforderung, die der Absenktunnel für dessen Konstrukteure darstellt. Ob letztere dieser Herausforderung gerecht wurden, wird inzwischen auch von dänischen Fachleuten bezweifelt. Die Bezeichnung „toll“ trifft jedoch auch darauf zu, wie die Befürworter des Absenktunnels dessen Auswirkungen auf Umwelt und Naturschutz einschätzen. Hier gilt wohl „toll“ eher im Sinne einer wahnhaften psycho-pathalogischen Einschätzung. Was meinten Sie denn nun mit Ihrem bemerkenswerten Ausspruch in Kopenhagen? War Ihre Wortwahl bewusst doppeldeutig gemeint?

Die ganze Diskussion über Sinn oder Wahnsinn der „Fehmarnbelt-Eisenbahnachse“ ist bei sachlicher Betrachtungsweise müßig. Fakt ist: Das Vorhaben wird aus volkswirtschaftlicher und verkehrspolitischer Sicht gar nicht benötigt. Dies zeigt ein für das dänische Verkehrsministerium 2004 erstelltes Gutachten. In dessen Hauptbericht haben die Gutachter auch die Alternative untersucht, ob das jetzt mehr als 15 Jahre bestehende Verkehrssystem – Fährung über den Fehmarnbelt mit Schienengüterverkehr über die Jütlandlinie - aus vokswirtschaftlicher Sicht vorteilhaft wäre. Die Gutachter kamen für diese Alternative zu einer  positiven Einschätzung. Weitergehende Berechnungen stellten sie aus verschiedenen Gründen nicht an. In der Zusammenfassung des Gutachtens findet man diese positive Aussage nicht. Die war vom Auftraggeber vermutlich nicht gewünscht. Auf der Grundlage des obigen Gutachtens und eines weiteren Gutachtens (BVU 2006) kommt das Aktionsbündnis zu folgendem Ergebnis: Die Beibehaltung des gegenwärtigen Verkehrssystems ist aus volkswirtschaftlicher und verkehrspolitischer Sicht erheblich voteilhafter als die Fehmarnbelt-Eisenbahnachse. Die Kosten für den  Ausbau der Jütlandlinie Malmö-Kolding-Flensburg-Hamburg einschließlich der kapitalisierten betrieblichen Umwegkosten der Bahn würden sich nur auf etwa ein Viertel der Investitionskosten belaufen, die für die Fehmarnbelt-Eisenbahnachse erforderlich sind. Hierbei sind die von der Fähr-Reederei zu tätigenden Ersatzinvestitionen ebenfalls eingerechnet. Dass die Femern A/S in ihren Antragsunterlagen für die Baugenehmigung des Tunnels derartige Evaluierungen nicht vorgelegt hat, ist leicht nachvollziehbar.

Sehr geehrter Herr Albig, Sie hatten im Wahlkampf 2012 mehrfach eine Überprüfung des Vorhabens Feste Fehmarnbeltquerung versprochen. Außer den halbherzigen Ansätzen dazu im Dialogforum, die zu nichts Konkretem führten, haben wir von der Landesregierung in dieser Hinsicht bisher nichts gesehen. Stattdessen haben Sie kurz nach Ihrem Regierungsantritt genauso wie Ihre Amtvorgänger in das Loblied auf das Projekt eingestimmt. Wir als Bürger fordern Sie nun auf, sich endlich bei Ihren Freunden in der dänischen Politik für eine umfassende Neubewertung der Fehmarnbelt-Eisenbahnachse einzusetzen. Sie haben dies bei unserem Treffen mit Ihnen und StS Dr. Nägele im Februar 2013 mit Hinweis auf diplomatische Gepflogenheiten als nicht machbar dargestellt. Dass in der internationalen Politik unter Freunden auch kritische Themen diskutiert werden können, sieht man grade in letzter Zeit immer wieder. Deswegen halten wir Ihr Ausweichen bei dieser Frage gegenüber Ihren Freunden in der dänischen Regierung für nicht gerechtfertigt. Zu erwarten wäre aber zumindest, dass Sie sich bei der Bundesregierung für eine neue und umfassende Projektevaluierung einsetzen würden. Dass diese auch in Zusammenarbeit mit dem dänischen Verkehrsministerium möglich wäre, zeigen Beispiele aus der frühen Projektvergangenheit. Angesichts der immer offensichtlicher werdenden Kostensteigerungen bei der deutschen Hinterlandanbindung sollte eine solche Analyse auch im Interesse der Bundesregierung sein. Und in diesem Zusammenhang verdient unser Hinweis auf die gesamtwirtschaftlichen Vorteile einer Ertüchtigung des bestehenden Verkehrssystems besondere Beachtung Ihrer Regierung.

Mit freundlichen Grüßen

Hendrick Kerlen

Aktionsbündnis gegen eine

feste Fehmarnbeltquerung.eV.

Tel. 04372-1255