Gelungenes Straßentheater der Beltretter


Laut Umfrage von YouGov im Mai 2019 hatten 72 Prozent der Deutschen noch nie etwas von dem Mega-Projekt Fehmarnbelt-Tunnel gehört. Warum? Weil die deutschen öffentlichen Medien mit großer Leserschaft eine Berichterstattung mit wirklichem Informationsgehalt über dieses Vorhaben nicht für notwendig hielten. Es fehlten eben schlagzeilenträchtige tumultartige Demonstrationen mit Wasserwerfern und prügelnden Polizisten! So wie seinerzeit in Stuttgart. Jetzt, im medialen „Sommerloch“ inszenieren die Beltretter endlich eine öffentliche Aktion, um auf die Umweltfolgen dieses Vorhabens aufmerksam zu machen. Sie wird sogleich begierig durch die Landespolitik dankbar skandalisier und nun von den Medien in die Öffentlichkeit getragen. Welch ein Erfolg für die Öffentlichkeitsarbeit der Beltretter! Man kann nur hoffen, dass durch diese Aktion das weitverbreitete Unwissen der Deutschen über dieses verkehrspolitisch völlig überflüssige und umweltgefährdende Projekt weiter sinkt.

Die Begeisterung der Landespolitik über den Tunnel und der damit zusammenhängenden Hinterlandanbindung ist nicht nachvollziehbar. Ihre hochgesteckten Erwartungen und Hoffnungen auf die segensreichen wirtschaftsfördernden Effekte des Vorhabens sind nie nachgewiesen worden. Solange ein handfester Nachweis fehlt, agieren unsere Volksvertreter als gefährliche Spekulanten, die mit unseren Steuergeldern jonglieren. Die HSH-Pleite lässt grüßen!

Recht hat Herr Breiter (FDP), wenn er die Aktion der Beltretter als Provokation bezeichnet! Denn nur durch Provokation lassen sich unsere Landespolitiker auf politische Fehlentwicklungen und Missstände aufmerksam machen. Ein normaler, informierter Diskurs mit den betroffenen Bürgern reicht dafür offensichtlich nicht aus. Dass sich seine Parteifreunde, wie Landesverkehrsminister Dr. Bernd Buchholz und Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs mit dem von ihrem Ministerium erlassenen Planfeststellungsbeschluss zum Belt-Tunnel nicht grade mit Ruhm bekleckert haben, dürfte inzwischen weitgehend bekannt sein. Was liegt da näher, als von diesem Versagen mit Beschimpfungen der Beltretter abzulenken, indem ihnen Tatsachenverdrehungen unterstellt werden?

Zu dem Aufruf des Landtagsabgeordneten Peer Knöfler (CDU), „die Realität zu akzeptieren“, weil der Tunnel komme, stellt sich jedoch gegenwärtig die Preis-Frage, wann das wohl sein wird? In 100 Jahren oder erst in 200 Jahren? 2028 jedenfalls ganz bestimmt nicht! Herr Knöfler täte gut daran, sich intensiv mit dem rechtlichen Status des Genehmigungsverfahrens für den Tunnel zu beschäftigen. Das Aktionsbündnis würde ihm dazu gerne sachdienliche Auskünfte geben. Allerdings liegt Herr Knöfler immerhin mit einer Einschätzung richtig: Die Beltretter-Aktion war keine Demonstration, sondern reines Straßentheater. Und aufgrund seiner Skandalisierung ein erfolgreiches zudem!

Hendrick Kerlen

Aktionsbündnis gegen eine

feste Fehmarnbeltquerung e.V.

Tel. 04372-1255

One thought on “Gelungenes Straßentheater der Beltretter

  1. Wohin mit den Milliarden, die „geplant“ sind für das Tunnelprojekt und die beidseitigen Tunnelanbindungen.
    Es ist schon hundert Mal gesagt und geschrieben worden, dass dieses Vorhaben unnütz ist. Deswegen haben wir das blaue Kreuz an Fahrzeugen und in den Vorgärten unserer Häuser. 12000 Einwohner hat Fehmarn. Erhört werden die Einwohner nicht. Es sind zu wenige, als das es die Entscheidungsträger interessiert.
    Also haben die Lobbyisten ein leichtes Spiel. Sie bequatschen die Politiker und die sagen „wir schaffen das schon“. (😢 Es ist zum heulen) Schaffen werden wir es durch Steuererhöhung und Abstriche in lebenswichtigen Bereichen. Die Arbeitnehmer bei Scandlines werden, mit Fertigstellung des Tunnels, auf der Straße stehen.
    Die Alkoholtouristen wird es freuen. Können Sie doch dann, ohne Wartezeiten an der Fähre, ihre Autos mit Alkohol in Deutschland chland beladen. Es interessiert keinen, wie überladen die Fahrzeuge den zollfreien Alkohol aus Deutschland holen, der zuvor mit der Scandlinesfähre von Dänemark nach Deutschland gefahren wird. 1000ende Pkw Kleintransporter, Wohnmobiele und Busunternehmen fahren täglich nach Deutschland zu Fleggaard, Calle, Bordershop und in die Einzelhandelsketten um sich mit Alkohol einzudecken.
    Völlig überladen, fahren sie zurück nach Dänemark. Kontrollen gibt es nicht. Das wird sich wohl noch verstärken mit dem Tunnel.
    Die Insel Fehmarn, ist im Sommer immer kurz vor dem Verkehrskollaps. Tausende Touristen quellen über den Kleiderbügel auf die Insel. Wie soll das werden, wenn die hunderten Züge täglich über die Insel donnern. Und die tausenden Pkw, LKW und Busse die Insel queren.
    Wir müssen uns die Situation schön trinken. Dafür ist Alkohol doch da!

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